Zu Gast im Wald

Heute bin ich zu Gast im Wald und bei Jörg Sipple „Raus aus dem Trott, rein in die Natur, raus aus den Schuhen und Socken und rein ins Erleben!“, das ist eine Übung, die bei dem Erlebnistrainer und Coach zum Standardprogramm im Wald gehört.

Das ist schon gewöhnungbedürftig für viele Menschen. Doch gerade diese unmittelbare Erfahrung, den weichen Waldboden, das feuchte Laub, die pieksenden Steine zu spüren fehlt uns Erwachsenen häufig. Was für die meisten von uns als Kinder noch ganz normal war, ist vierzig Jahre später recht unüblich. Wer sich mit allen Sinnen auf dieses Experiment einlässt, der wird merken, wie sich die Wahrnehmung verändert. In Zeitlupe zu laufen, rückwärts oder mal mit geschlossenen Augen, den Fuß behutsam zu setzen und dabei den Boden zu spüren bringt tatsächlich etwas in Bewegung.

Begeistert erzählt der drahtige Mittvierziger davon, wie einer seiner Teilnehmer, ein Manager, der für den Import von Tropenholz zuständig war, sich nach dem Seminar im Wald von einer ganz neuen Seite zeigen konnte. Er hätte nie für möglich gehalten, dass ihm der Wald so viel geben könnte an Ruhe, Balance, Zugang zur eigenen Kraft. Und genau das ist die Motivation von Jörg Sipple, mit Menschen in der Natur zu arbeiten. Er versteht sich als Brückenbauer hin zu natürlichen Erlebniswelten.

Auf die Frage, wie Jörg Sipple denn selbst zum „Waldbademeister“ wurde, erzählt er mir eine persönliche Erfahrung. Als ambitionierter Läufer, der es bis zum Marathon geschafft hat, war er häufig draußen unterwegs. Allerdings war er emotional keineswegs draußen, sondern der Wald diente eher beiläufig dem Zweck des Langstreckenlaufes. Rückblickend sagt er: „Ich habe ganz viel Zeit draußen verbracht, war aber garnicht in der Natur.“ Erst eine Knieverletzung bremste ihn aus und führte dazu, die Grünkraft entschleunigt wahrzunehmen. Auch nachdem er längst genesen wieder im alten Tempo unterwegs sein kann, ist ihm dieser verlangsamte Zugang zur Natur ein Bedürfnis. Heute weiß er um den Wert des Draußenseins: „Ich genieße, entschleunige, kann anhalten und letztlich einfach sein.“

Wenn das keine Einladung ist, demnächst mal wieder auf einem Spaziergang im Wald die Schuhe und die Socken auszuziehen!

Informationen zu Jörg Sipple: www.joergsipple.com

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